Von Fast Fashion zu Slow Fashion

Von Kim Granitza

Mittlerweile sind Begriffe wie Fast oder Slow Fashion weit verbreitet. Aber viele wissen gar nicht was genau sich darunter verbirgt und vor allem was Alternativen zu Fast Fashion sind. Mit diesen Tipps und Tricks, kannst auch du einen nachhaltigeren und umweltfreundlicheren Kleiderschrank haben.

Fast Fashion vs. Slow Fashion
Klären wir am Anfang doch erstmal die zwei wichtigsten Begriffe zu diesem Thema. Fast Fashion und Slow Fashion. Übersetzt bedeutet das Ganze Schnelle und langsame Mode.
Fast Fashion
Fast Fashion beschreibt ein Geschäftsmodell der Modeindustrie bei dem in kürzester Zeit so viele Kleidungsstücke und Kollektionen wie möglich auf den Markt gebracht und verkauft werden. Dabei wird meistens nicht auf die Qualität geachtet und zu einem günstigen Preis verkauft. Die limitierte Zeit kommt von den ständig wechselnden Mode Trends, die schnellst möglichst hergestellt und verbreitet werden müssen.
Herstellung
Bei der Herstellung im Fast Fashion Bereich werden besonders oft chemische Fasern, wie z.B. Polyester verwendet. Diese sind besonders schlecht für die Umwelt: Denn sie werden aus Erdöl hergestellt und setzen damit bei ihrer Produktion viel CO2 aus. Aber auch für die Wasserverschmutzung in den Meeren sind chemische Stoffe verantwortlich. Durch das waschen von Kleidung in der Waschmaschine gelangen kleine Fasern als Mikroplastik in die Meere. Plastik ist im Meer nahezu unvergänglich, nur langsam zersetzt es sich durch Salzwasser und Sonne. Daran können sich Meerestiere verletzen, indem sie sich verheddern oder Teile davon fressen. Somit sind synthetische Stoffe das am häufigsten nachgewiesene Mikroplastik in Gewässern.
Produktion
Besonders wenn es um die Produktion geht, steht die Fast Fashion Industrie häufig in der Kritik. Es wird zu viel in einer zu kurzen Zeit produziert, meist auf Kosten der Umwelt und Arbeiter*innen. Durch die immer kürzeren Fertigungszyklen und Lieferfristen stehen besonders die Arbeiter*innen unter enormen Druck. So sind massive Arbeitsrechtsverletzungen an der Tagesordnung. Preiskonkurrenz und ein geringer Verhandlungsspielraum Lieferfristen verstärken die Probleme.
Ein gutes Beispiel hierfür ist Bangladesch. Nach China ist Bangladesch das zweitgrößte Textil-Exportland weltweit. Rund vier Millionen Menschen arbeiten in Bangladesch direkt für die Textilindustrie. Der Einsturz der Modefabrik Rana Plaza in Bangladesch am 24. April 2013 war der traurige Höhepunkt einer ausbeuterischen Modeindustrie. 1135 Menschen verloren ihr Leben, mehr als 2.000 wurden verletzt. Schon am Vortag wurden Risse in dem Gebäude festgestellt und es wurde polizeilich veranlasst, das Gebäude nicht zu betreten. Die Fabrikbetreiber zwangen jedoch zahlreiche Angestellten trotzdem ihre Arbeit weiterhin aufzunehmen. Durch diesen Vorfall trat die Rolle der Lieferkette stärker in den Vordergrund.
Konsum
Besonders Kunden in westlichen Ländern haben sich an niedrige Preise für Textilien gewöhnt. Es wird lieber mehr gekauft, als das auf qualitativ hochwertige Kleidung wert gelegt wird. Da sich die Trends und der Geschmack der Kunden verändern und man so dauerhaft etwas Neues im Kleiderschrank braucht, ist es nicht erstaunlich, dass auf diese Weise viel unserer Kleidung im Kleiderschrank ungetragen bleibt.

Slow Fashion
Slow Fashion beschreibt grundsätzlich einen bewussten und nachhaltigen Modekonsum. Die Kleidungsstücke sind meistens aus umweltfreundlichen Materialien oder recycelten Textilien hergestellt. Die Kleidung soll qualitativ hochwertig sein und einem lang erhalten bleiben. Außerdem wird auf eine umweltschonende Produktion geachtet. Unter Slow Fashion zählt auch der Konsum von Second-Hand-Mode.
Herstellung
Bei Slow Fashion wird besonders auf die Materialien und eine umweltschonende Produktion geachtet. So werden Slow Fashion Teile in der Regel aus natürlichen Fasern angefertigt. Diese Fasern sind biologisch abbaubar und verschmutzen demnach auch keine Gewässer. Zudem wird in der Produktion oft auf geschlossene Wassersysteme gesetzt, damit das Wasser wiederverwendet werden kann und Farben nicht in das Abwasser gelangen.
Produktion
Um Lieferketten zu verkürzen wird oftmals mit lokalen Fabrikanten produziert. Fair Fashion Labels stellen ihre Kleidung vor allem in Fabriken in Europa, wie z.B. Portugal, Spanien, Italien oder Ungarn her. Lokale Herstellungspartner bieten oft auch deutlich bessere Löhne und Arbeitsbedingungen für ihre Mitarbeiter, als Fabriken in Ländern des globalen Südens.
Konsum
Slow Fashion rückt zunehmend in den Fokus der Menschen und es wird langsam wieder ein Bewusstsein für Mode entwickelt. Vor allem durch den Klimawandel befassen sich wieder mehr Menschen mit fairer Mode. Kleidung sollte nicht einfach weggeschmissen werden, wenn sie kaputt ist oder einem nicht mehr gefällt. Sie sollte repariert oder verkauft, getauscht oder gespendet werden.

Tipps für einen nachhaltigen Kleiderschrank

1. Kleidung richtig pflegen
Wenn du deine Kleidungsstücke gut pflegst hast du lange etwas davon. Dabei musst du eigentlich nur ein paar wenige Grundregeln beachten. Erstens: Beachte die Pflegehinweise auf dem Waschetikett. Zweitens: Noch besser ist es aber, wenn du häufiges Waschen vermeiden kannst. Eine Stunde draußen lüften reicht meistens schon aus.

2. Kleidung reparieren
Kleidung reparieren ist gut für die Umwelt und vor allem für deinen Geldbeutel. Denn Kleidung braucht man nicht wegen eines kleinen Loches direkt wegzuwerfen. Online findest du zahlreiche Tutorials, die dir zeigen wie es geht. Wenn du aber lieber auf Nummer sicher gehen willst, such dir Hilfe in Repair-Cafés, bei Freund*innen oder bei deiner Oma.
Repair-Cafés in Tübingen und Umgebung findest du hier:
https://www.abfall-kreis-tuebingen.de/entsorgen/verwerten/reparatur-cafe/
https://www.werkstadthaus.de/handwerk/reparatur-cafe

3. Qualität vor Quantität
Billige Shirts und Pullover sind meist nach wenigen Wochen verwaschen und auch die erste Fäden lösen sich dann schon. Da es eh so billig war, landet das Kleidungsstück dann oft im Müll oder der Altkleidersammlung. Besser ist es, das Billigshirt liegen zu lassen und stattdessen ein hochwertiges und gut verarbeitetes Shirt für ein paar Euro mehr zu bevorzugen. Dann hast du länger etwas davon.

4. Second-Hand
Eine gute Möglichkeit nachhaltig einzukaufen sind Second-Hand-Märkte. Egal ob online oder im örtlichen Geschäft. Second-Hand hat mehrere Vorteile: Umwelt und Ressourcen werden geschont, ebenso wie dein Geldbeutel und oft findet man hier besonders tolle und individuelle Kleidungsstücke und Accessoires.
Second-Hand Shops in Tübingen:
http://www.la-seconda.de
https://unikat-vintage.de

5. Weiter verkaufen
Ich bin überzeugt, dass wenn man nichts zum anziehen hat, weiß man auch nicht was man eigentlich im Kleiderschrank hat. Nimm dir deshalb die Zeit und sortiere ihn gut durch, vielleicht findest du auch ein oder zwei Schätze, die du schon lange nicht mehr anhattest. Kleidung, die du regelmäßig trägst kannst du nach Farbe, Style oder sonstigem sortieren. Kleidung, die du nicht mehr trägst, kannst du auf Vinted verkaufen und dir dann von der Einnahme neue Stücke kaufen.

Was findest du besser? Fast oder Slow Fashion? Lass es uns wissen!
Und wenn du herausfinden willst, wie viel du wirklich an Klamotten brauchst, dann probiere doch mal die 30 Wear Challenge aus. Suche Dir für 30 Tage, 30 Kleidungsstücke aus, die Du trägen möchtest. Nur die und keine anderen darfst Du dann in diesem Monat anziehen. Du wirst feststellen, dass du genug Kleidungsstücke zur Verfügung hast und es dir an nichts fehlt.

Weiter beschäftigen mit dem Thema Fast und Slow Fashion kannst du hier:

https://www.el-puente.de/blog/slow-fashion-nachhaltige-mode-als-alternative-zu-fast-fashion/
https://www.el-puente.de/blog/5_tipps_fuer_einen_nachhaltigen_kleiderschrank/
https://www.ftshp.de/blog/slow-fashion-vs-fast-fashion-gibt-es-ein-kompromiss/
https://www.careelite.de/slow-fashion/
https://mindfulminimalist.de/was-ist-fast-fashion-ursachen-probleme-loesungen/